L‘Aquila, Katastrophe Leben

Am 6. April 2009 um 03:32 Uhr Ortszeit wurde die Stadt L‘Aquila von einem Erdbeben der Stärke 5,8 heimgesucht. Innerhalb weniger Sekunden wurde die Hauptstadt der Abruzzen zerstört, 308 Menschen starben und fast 65.000 Menschen verloren ihr Zuhause. Während andere durch Erdbeben zerstörte Städte einem schnellen Wiederaufbau unterzogen wurden, liegen grosse Teile der Stadt L‘Aquila bis heute in Trümmern und mit ihr das einst städtische Leben. Die Bewohner wurden in „Übergangs- behausungen“ in der Umgebung untergebracht und hinterließen eine Geisterstadt, deren Straßen und Plätze bis heute als Sperrbezirk („zona rossa“) unzugänglich sind. Ein Workshop führt uns zu Beginn des Semesters nach L‘Aquila. Vor Ort werden wir, in Kooperation mit der Uni- versità degli Studi dell‘Aquila, die noch bestehende städ- tische Morphologie analysieren und Konzepte zur Transformation der Ruinenstadt entwickeln.

 

Im Bewußtsein der im „Mutterland der Architekturtheorie“ geführten Debatte der Postmoderne, soll Architektur weniger als autonome Setzung verstanden werden, als vielmehr, im Sinne Manfredo Tafuris, als politisch relevante Projektarbeit. Projektarbeit, die Architektur untrennbar mit ihrem sozialen Raum verbindet. In hochschulübergreifenden Teams, werden wir Strategien entwickeln, durch die zukünftig eine neue Verortung der ehemaligen Stadtgesellschaft von L’Aquila gelingen kann.

Darüber hinaus analysieren Sie exemplarisch ein selbst gewähltes vom Erdbeben zerstörtes Gebäude und entwickeln ein Konzept für einen Wiederaufbau, Weiter-, Ersatz- oder Rückbau. Welche Chancen bietet dabei der Umgang mit der noch vorhandenen Substanz in Verbindung mit der Bedeutung der einstigen sozialen Lebensräume für das Gesamtgefüge der Stadt?

 

Ein einwöchiger Workshop ist bestandteil des Entwurf- sprojekts und wird mit einer Exkursion verbunden, bei der impulsgebende Referenzbeispiele aus den Architekturdiskursen der letzten Jahrzehnte besichtigt werden.

 

Die Aufgabe kann einzeln oder in einem Zweierteam bearbeitet werden. Aufgrund der Komplexität der Aufgaben- stellung empfehlen wir den Entwurf im Team zu bearbeiten. 

Betreuung:

Dipl.-Ing. Florian Kaiser

Sergi Egea Bohn M.A.

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